Glück und Casino
Aus dem ethymologischen Wörterbuch des Deutschen, dtv, 1995:
Kasino: Gebäude mit Klubräumen, Speiseraum für Offiziere, für Mitarbeiter
von Betrieben, öffentlicher Betrieb für Glücksspiele. Ital. Casino
"Gesellschaftshaus" ( für Unterhaltung und Spiel) zuvor Landsitz
Deminutivum
von ital. casa "Haus" ( aus lat. casa "Häuschen","Hütte")
gelangt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ins Deutsche. Allgemein
gebräuchlich wird Kasino im Süddeutschen, wo es nicht nur die
"Gesellschaftsräume" sondern auch die darin versammelte Gesellschaft
bezeichnet; im Norddeutschen gilt dafür das schon früher aus dem Englischen
entlehnte Klub.
Idee
Das Casino ist ein Ort des Glücksspiels. Glück ist Ziel undStreben nach der
Erfüllung von menschlichen Wünschen. Im Casino spielt man mit
leidenschaftlichem und monetärem Einsatz, um das Glück herauszufordern. Der
Spieler liebt das Risiko und das Gefühl, dem Glück sehr nahe zu sein. Das
Spielcasino ist quasi einer der prägnantesten Plätze eines Glücksgefühls,
das sich mittlerweile kommerzialisiert hat und deshalb manipulierbar erscheint.
Der Deal mit dem Glück gelingt, weil sich individuelle Lebenskonzepte nicht
mehr per zweckgerichteter Pflichterfüllung realisieren lassen.
Ausstellung
Die Ausstellung Casino geht verschiedenen Erscheinungsformen von Glück nach und
fragt nach individuellen Glücksvorstellungen und persönlichen Konzepten. Was
Glück ist, scheint so greifbar, daß es sich einer intersubjektiven Definition
zu entziehen droht, weil jeder selbst der "Schmied seines eigenen
Glückes" ist. Glück ist diffus, empirisch und wie die Erfahrung zeigt,
sehr vom Zufall abhängig. "Niemand kann einem anderen vorschreiben, was
sein Glück ist; und niemand kann für sich selbst genau wissen, was ihn
glücklich macht. Gerade in dem, was dem Menschen das Wichigste zu sein scheint
- ein gelungenes Leben zu führen- zeigt sich am deutlichsten die Unbestimmtheit
und Unergründlichkeit von Glück. In dem, worin alle Menschen übereinzustimmen
scheinen - in ihrem Verlangen nach Glück- liegt eine größtmögliche Vielfalt
verborgen." ( Kai Hauke. Moralische Pflicht und die Frage nach dem
gelingenden Leben. Überlegungen zu Kants Glücksbegriff, Vortrag 1998).
Im Zentrum der Ausstellung steht in erster Linie eine ironische
Auseinandersetzung mit dem Zustand des Glücks, der laut "World Database of
Happiness" vornehmlich die Isländer auszeichnet ( Deutschland liegt auf 21
( West) und auf der 26. ( Ost) Stelle). Von daher ist der Gedanke des Spiels die
zusammenfassende Klammer der Ausstellung. Glück ist ein privat konnontierter
Schicksalsbegriff. In der Zusammenschau von Zufall und Regel reflektieren die
verschiedenen künstlerischen Positionen zum einen den spielerischen Hintergrund
von Kunst, Wissenschaft und Philosophie und zum anderen die Tatsache, daß
Glück gerade durch seine Zufallskomponente zum persönlichen und
gesellschaftlichen Risikofaktor werden kann.