Positionen der Farbfotografie

Abstraktion II

 

29.07.01- 04.09.01

 

Kurt Buchwald

stripes

Kurt Buchwald

stripes

Karl-Heinz Eckert

Waldglas

Karl-Heinz Eckert

Waldglas

Wolf Kahlen

Wolf Kahlen

Anja Knecht

rejeté rejeton

Anja Knecht

rejeté rejeton

Torsten Warmuth

yellow cabs

Torsten Warmuth

yellow cabs

 

zum Katalog

 

zum 1. Teil der Ausstellung 2000

 

Abstrakte Farbfotografie

Neue Realitäten

Die Fotografie, wegen ihrer „unnachahmlichen Treue" (Wilhelm von Humboldt) gefeiert wie verschrien, kennt spätestens seit den um 1916 von Alvin Langdon Coburn geschaffenen „Vortografien" - und damit nur wenige Jahr nachdem Wassily Kandinsky seine ersten abstrakten Gemäle malte - die explizite Abstraktion. Seitdem entwickelte sich eine Ikonografie fotografischer Abstraktionen. Daran knüpfen die zu einer zweiten Ausstellung mit abstrakter Farbfotografie zusammengestellten Arbeiten in der Galerie in der alten Schule, KMZA (Kunst- und Medienzentrum Adlershof) an. Sie zeigen das Ungegenständliche und verweigern sich damit der Illustration vorherrschender Wirklichkeit wie sie heute allgegenwärtig im Film, dem Fernsehen und im Bereich der digitalen Medien anzutreffen ist. Wie die Verweigerung der Abbildung des Faktischen kann das Insistieren auf bewußte - und das heißt technisch gesprochen - laborgesteuerte Farbwertgenauigkeit als Opponieren verstanden werden, als Widerpart zur immer bunter werdenden Welt, in der das Wissen um die Farbsemantik rapide verloren geht.

Torsten Warmuth zeigt anknüpfend an den Fotodynamismus des Italieners Anton Giulio Bragaglia großformatige Farbarbeiten mit gestalteten Bewegungsunschärfen sowie Verwischungen. Ebenfalls vom Gesehenen abgezogen verwandelte Karl-Heinz Eckert alte Gläser der Glashütte Baruth in unbekannte Motive mit fließenden Formen wie Farbverschiebungen. Während hier der Ursprung der Bildkreationen noch rekonstruierbar ist, setzt Anja Knecht alles bei ihren dreidimensional konvex-konkav erscheinenden Körpern daran, eben diesen Ursprung restlos zu verschleieren. Der mit allen Medien und Materialien arbeitende Wolf Kahlen erhebt von ihm ausgewählte Filmanfänge und -enden zur Bildmäßigkeit. Und der mit seinen Störbildern und Sichtblenden bekannte Kurt Buchwald demonstriert in farbgestalteten Einstellungen die unzulänglichlichen Abbildleistungen der fotografischen Optik.

Es ist die Mischung aus konkreten Formgestaltungen und offenen Sichtweisen, die den wesentlichen Reiz abstrakter Farbbilder ausmachen und die ihnen Unverwechselbarkeit und Magie einverleiben. Jedes Bild bezieht seine Wertigkeit aus der Realität, doch ohne diese abzubilden. Gezeigt werden ästhetische Wirklichkeiten, abstrakte Fotokunst.

E.K.

 

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